Abschiede

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Schon beim Aufwachen fühle ich „Herbst“.  Kühlere Luft dringt durch die Schlitze im auf Luke gestellten Rolladen vor dem halb geöffneten Fenster ins Zimmer, trüberes Licht als gestern noch.  Ich drücke den Schalter, der Rolladen surrt nach oben, gibt den Blick auf einheitsgrauen Himmel frei.  Die regengepeitschten Bäume, ihr dichtes Blattwerk noch sommergrün,  schwanken schwer im Herbstwind.

Ich öffne die Tür zum gARTen und denke „Über Grenzen“ ist ein guter Name. Und ich bin froh, dass die rote Linie am Ende nach oben zeigt, während der schwarze Flux in die Erde zurückgeht, aus der er am anderen Ende gekommen ist.  Ende?

Bei drei Beerdigungen war ich in nur einem Monat.  Die Menschen, die wir zu Grabe getragen haben, standen mir unterschiedlich nahe – die Mutter einer Freundin; eine  ehemalige Kollegin, mit der mich eine in den letzten Jahren ihres langen Lebens immer tiefer werdende Freundschaft verband; und schließlich ein Todesfall in der Familie.  Drei Lebenslinien, die an ihr Ende gelangten – „es war besser so“ , war zu hören, „viel weiteres Leiden erspart“, „gutes Leben gehabt“.  Ja. Dennoch: Traurigkeit, da fehlt jemand, da ist eine Leere, eine Lücke, die schmerzt.

Da fehlt ein tapferes Lächeln, der Krankheit zum Trotz. Da fehlt der Händedruck, der sagt „schön, dass du da bist“. Da fehlt das Schweigen, das keine Worte braucht, der Blick, der sagt „es ist Zeit“. Es war Zeit, das tröstet. Und das, was bleibt: liebevolle Erinnerung an gemeinsam beschrittene Wege. „Du warst hier, ich bleibe noch, ich denke an dich, du bleibst in mir.“

Plutôt la vie – das Leben bleibt.

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(Installation „Über Grenzen“, Rainer Gross, 2017)

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Nahsehzeit

IMG_1035Samstagnachmittagsspaziergang. Warten auf die Tram nach Hause. Schönes Licht! Der Blick wandert …

IMG_1029Schöne Häuserzeile gegenüber. Und hinter mir …

IMG_1031Aufpasser? Jedenfalls: schön hier …

IMG_1033… und schön, es wieder zu bemerken!

(Bruxelles/Brussel, Sablon/Zavel)

Beau mélange (die Mischung macht’s)

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Hallo, das ist ja eine seltsame Mischung: ein paar Sammelbände einer antiquierten Frauenzeitschrift der 60er/70er Jahre (Penela), Bollywood DVDs (Apna Sapna Money Money klingt besonders verheißungsvoll), und mittendrin ein Band mit Werken von Pierre Corneille: Theaterstücke aus dem 17. Jahrhundert. All das umsonst und draußen:

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Die Bücher-Tauschbox steht in dem kleinen Park vor dem Rathaus meines Stadtviertels und wird von der Gemeindebücherei und von interessierten BürgerInnen bestückt und genutzt.

Ich denke an die aktuelle Diskussion bei gerdakazakou.com über „echte Kunst“ – und bleib dabei: die hehre Kunst in Ehren, aber der Freude an derart bunter Mischung tut das keinen Abbruch. Und wer weiß: vielleicht packt jemand mit der Kitsch-DVD auch den Klassiker ein?

Es lebe die Vielfalt!

Liebe Traurigkeit

Ulli vom cafeweltenall.wordpress.com hat heute über den Umgang mit Traurigkeit geschrieben: Trauer nicht wegdrücken, wegreden, peinlich berührt verbergen, sondern annehmen, bewusst hinein- und hindurchgehen, allein, allenfalls begleitet von ebenso annehmender, sein-lassender Zuwendung.

Wir betrauern nicht nur den Tod geliebter Menschen, Traurigkeit hat viele Anlässe, Verluste und Verletzungen vielerlei Art.  Dennoch musste ich an Friedhöfe denken und daran,  wie unterschiedlich sie gestaltet sind, welch unterschiedliche Gefühle sie auslösen können.  Pompös gemauerte Gruften, mit schweren Steinplatten versiegelte   Gräber hier in Brüssel (ich verstehe, dass immer mehr Menschen es vorziehen, ihre Asche verstreuen zu lassen); sorgsam gepflegte, mit nach Jahreszeit wechselndem Blumenschmuck bepflanzte Grabstätten in meinem Heimatdorf; naturbelassene Friedwälder, wo die Asche der Verstorbenen am Fuß eines Baumes ruht und ihn nährt; oder auch „Friedhof mit Aussicht“ – eine Wiesenlandschaft ohne Abgrenzungen, ohne quadratisch gut gezogene Wege und ordentlich gereihte Grabstätten, wie hier:

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Da kann die Seele schwingen.

Übrigens ist dies der Blick vom Grab des großartigen Johnny Cash – das passt!

 

Bon voyage!

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Müde war sie geworden. Zusehends schmaler, zerbrechlicher, leiser.  Leise ist sie gegangen.

In der kleinen Kapelle ein kleiner Kreis von Freundinnen und Freunden.  Mozarts Requiem.  Sommerblumen auf dem schlichten, hellen Sarg.  Ein milder Sommertag, sanfte Sonnenstrahlen aus leicht bewölktem Himmelsblau. Beschützend der mächtige Baum über den Gräbern.

Bon voyage, liebe Freundin, gute Reise!

Meet Batman

IMG_0821Siehst du ihn nicht?

IMG_0791Ach, da!

Nashville hat noch viel mehr Originelles zu bieten:

IMG_0826Gefühlt alle drei Meter ein Laden mit Cowboystiefeln …

IMG_0816… die allerdings nur bedingt zum Einsatz kommen dürfen: wer auf dem Tisch tanzen will, muss die Sporen zu Hause lassen!

Das Wichtigste aber: Überall Live-Musik in Kneipen, Cafés, auf der Straße. Einzelne Sängerinnen und Sänger mit Gitarre, Gesangsduos, ganze Bands – es rockt und swingt unentwegt, die Flaneure am frühen Abend ziehen gemütlich von einem Konzert zum nächsten, bleiben vor geöffneten Fensterfronten stehen, hören zu, sagen WOW!, ziehen weiter, von einem Klangerlebnis, von einem Mini-Konzert zum nächsten – mein Herz lacht! Ich sehe den Kommerz rundherum, aber ich höre die Musik, und der Reklamedschungel rückt in den Hintergrund.

Danke, Nashville!